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Rating-Skala

Ein Rating stellt eine allgemeingültige und fundierte Meinungsäußerung zur zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens dar. Im Folgenden werden die Ratings von den bekanntesten Agenturen untereinander verglichen: Creditreform, DBRS, Euler Hermes, Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s.


Was ist ein Rating?

Mit Hilfe von standardisierten Verfahren beurteilen Rating-Agenturen die Bonität von Unternehmen. In diesem Fall wird von einem externen Rating gesprochen. Banken bewerten die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen in einem internen Ratingverfahren. Der externe Ratingprozess beginnt mi dem „Initial-Rating.“ Nachdem das Unternehmen zum ersten Mal durch die Agentur bewertet wurde, wird in einem ständigen Prozess das Rating aufgefrischt. In Fachkreisen wird dieser Schritt „Re-Rating“ genannt. Die Kosten für ein Erstrating durch eine der führenden Agenturen sind sehr unterschiedlich. Die Creditreform Rating AG berechnet seinen Auftragsstellern zwischen 5.000 Euro und 20.000 Euro. Für eine Bonitätsnote von Standard & Poor’s müssen Unternehmen mit ca. 50.000 Euro schon deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Das eigene Unternehmen durch eine Rating-Agentur bewerten zu lassen, stößt nicht bei allen Firmenchefs auf offene Ohren, denn 50 Prozent der mittelständischen Unternehmen lehnen ein externes Rating strikt ab. 28 Prozent der Unternehmer sind noch unentschlossen.

Für mittelständische Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von 10 bis 12 Millionen Euro kann sich ein Rating lohnen. Die Investition muss ins Verhältnis zwischen den Ratingkosten und der resultierenden Verbesserung der Kreditkonditionen aus dem Rating gesetzt werden. Begibt ein Unternehmen eine Anleihe, ist ein Rating erforderlich.

Der Ratingprozess von Creditreform

Die Creditreform Rating AG wurde im Jahre 2000 gegründet und hat sich bis heute zu einer der führenden Agenturen zur Bewertung von Mittelstandsanleihen entwickelt. Damit der Ratingprozess angestoßen wird, muss das zu beurteilende Unternehmen einen Auftrag, in schriftlicher Form der Creditreform Rating AG erteilen.

Zwei Analysten werden nach Auftragseingang die Bonitätsnote ermitteln. Im ersten Schritt wird dafür das Geschäftsmodell des Unternehmens genauer unter die Lupe genommen. Zudem werden das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld analysiert. Anders als bei Konkurrenz-Agenturen stehen bei Creditreform nicht ausschließlich betriebswirtschaftliche Kennzahlen im Mittelpunkt der Analyse. Auch qualitative Faktoren werden untersucht und fließen ins Endergebnis mit ein. Dafür wird ein umfassendes Managementgespräch mit den Verantwortlichen des Unternehmens geführt. In dem Gespräch werden Fragen über die Produkt- und Preispolitik gestellt und die Unternehmensstrategie wird herausgearbeitet.  Als nächstes müssen die verantwortlichen Analysten ihr Ergebnis dem Ratingkomitee, bestehend aus dem Vorstand der Creditreform Rating AG, qualifizierten Mitarbeitern der Agentur und im Bedarfsfall eines unabhängigen Dritten präsentieren. Stimmt das gesamte Ratingkomitee für die, durch die verantwortlichen Analysten erarbeitete Ratingnote ist diese offiziell und gilt für 12 Monate. In dieser Zeit überwacht das Analystenteam die Entwicklung des Unternehmens und passt gegebenenfalls das Rating an.

Worauf soll ich bei einem Rating achten?

Statistisch gesehen erhalten Mittelstandsanleihen am häufigsten die Note „BB“ oder „BBB“.  Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Emittent mit einem Rating von „BB“ insolvent geht, liegt bei neun Prozent. Bei dem Rating „BBB“ liegt die Wahrscheinlichkeit bei zwei Prozent. Ratingagenturen wie zum Beispiel Scope und URA beurteilen Unternehmen lediglich anhand der öffentlichen Publikationen. Die Hauptinformationsquelle ist dabei der Jahresabschluss. Eine Aussage über die aktuelle Bonität ist dadurch kaum möglich. Eine Bonitätsnote sollte niemals für sich genommen und isoliert betrachtet werden, sondern auch andere Quellen sollten in den Entscheidungsfindungsprozess mit einbezogen werden.

Als Ramschanleihe bezeichnet man Anleihen mit einem Rating zwischen BB oder B (Quality Junk) und CCC (Real Junk).  Im Durchschnitt werden jedes Jahr rund fünf Prozent aller Junk-Bonds notleidend. Von einer Ramschanleihe wird auch gesprochen, wenn das Verhältnis von Nettofinanzschulden und operativen Gewinn größer 10 ist.

Das Rating einer Agentur mit in die Entscheidung einzubeziehen ist lohnenswert, jedoch sollten Sie auch andere Quellen zur Informationsrecherche nutzen. In Foren und Nachrichtenartikeln werden Neuemissionen häufig munter diskutiert. Ein Depot sollte unserer Meinung nach, nie aus Anleihen eines einzigen Unternehmens bestehen, sondern je nach Risikoneigung aus bis zu zehn verschiedenen. 10 bis 15 Prozent des Depotvermögens könnten Sie in Anleihen investieren.

Autor: Martin Brosy