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Wie kommt ein Anleihekurs zustande?

Wie im Aktienhandel auch besteht der Anleihekurs aus einem Geld- und einem Briefkurs. Die Differenz aus Brief- und Geldkurs wird als „Spread“ bezeichnet. Anleihekurse notieren nicht in Euro sondern in Prozent, wobei 100 Prozent der Rückzahlungssumme entspricht. Erwerben Sie bei Emission, eine Anleihe im Wert von 1.000 Euro, dann erhalten Sie im optimalen Fall bei Fälligkeit 100 Prozent des investierten Betrages zurück.  Bevor eine Anleihe emittiert wird, legt das Unternehmen in Abhängigkeit von der Bonität und des Marktzinses die Höhe des Zinskupon fest. Der Anleihegläubiger bekommt zum Beispiel jährlich auf den Nominalwert den Zins gezahlt. 

Die Kurse von Anleihen unterliegen Schwankungen. Die Schwankung wird unteranderem vom Marktzins (Euribor, Libor) beeinflusst. Wenn der Marktzins bei Bond-Emission bei drei Prozent liegt und innerhalb der Laufzeit auf fünf Prozent ansteigt, dann fällt der Kurs für die Anleihe und der effektive Jahreszins steigt für den Käufer. Fällt hingegen der Marktzins, dann steigt der Kurs der Anleihe und der effektive Jahreszins sinkt. Verkauft der Inhaber über die gesamte Laufzeit seine Anleihen nicht, kann er in der Regel die Kursschwankungen vernachlässigen, da die Anleihe bei Fälligkeit durch den Emittenten zu mindestens 100 Prozent getilgt werden muss. Die Rendite über die gesamte Laufzeit entspricht dann dem Kupon oder Nominalzins.

Auswirkung des Marktzinses auf den Anleihekurs

Um Ihnen die Auswirkungen des Marktzinses auf den Kurs der Anleihe verständlich zu erklären, möchten wir mit Ihnen ein Beispiel durchsprechen.

Nehmen wir in unserem fiktiven Beispiel an, dass Sie fünf Staatsanleihen zu je 1.000 Euro kaufen möchten. Ihnen steht folglich eine Investitionssumme von 5.000 Euro zur Verfügung. Sie entscheiden sich für eine Staatsanleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Der aktuelle Marktzins liegt bei fünf Prozent und der Kupon der Staatsanleihe verzinst Ihr eingesetztes Jahr jährlich ebenfalls mit fünf Prozent. 

Szenario1: Marktzins steigt

Im ersten Szenario möchten Sie nach drei Jahren Ihren kompletten Bestand an Anleihen verkaufen, zum Beispiel weil Sie Liquidität für ein neues Projekt benötigen. Der Marktzins ist in den vergangenen drei Jahren jedoch auf sieben Prozent angestiegen und wenn der Käufer Ihrer Anleihen Ihnen den gesamten Nominalwert der Anleihe gibt, würde dieser für zwei Jahre auf einen Zins von zwei Prozent jährlich verzichten. Dieser Verzicht würd über einen fallenden Kurs ausgeglichen. Dabei wird die Differenz aus Marktzins und Zinskupon mit der Restlaufzeit multipliziert. Der Kurs befindet sich in unserem Beispiel dann bei 96 Prozent und damit würden Sie als Verkäufer von den investierten 5.000 Euro nur noch 4.800 Euro bekommen.

Szenario2: Marktzins fällt

In einem anderen Szenario möchte ich Ihnen zeigen, was passiert, wenn der Marktzins fällt. Die Ausgangslage ist die gleiche und die Restlaufzeit beträgt ein Jahr. Der Marktzins ist auf drei Prozent gefallen und Sie entscheiden sich, die Anleihe zu verkaufen. Der Käufer der Anleihe würde einen höheren Zins durch Ihre Anleihe bekommen, als der Markt bereit wäre zu bezahlen. Er würde ein gutes Geschäft machen, wenn der Kurs sich nicht anpassen würde. Die Differenz aus Marktzins und Zinskupon beträgt zwei Prozent und wird mit der Restlaufzeit von einem Jahr multipliziert. Das Ergebnis lautet: 2 Prozent. Der Kurs beträgt bei Verkauf der Anleihe 102 Prozent und der Kurswert liegt bei 5.100 Euro.

Der Marktzins wird beispielsweise von den Konjunkturerwartungen beeinflusst. Verbessern sich die Wirtschaftsprognosen wird der Leitzins angehoben und dadurch sinkt der Kurs der Anleihe. Neue Anleihen hingegen werden höher verzinst bei Ausgabe. Der Aktienmarkt hat ebenfalls einen Einfluss auf den Kurs von Anleihen. Fallen die Aktienindizes und flüchten die Anleger aus Aktien, dann suchen die Shareholder nach sicheren Investments und kaufen vermehrt Anleihen. Die Nachfrage nach Bonds führt zu höheren Kursen. Eine hohe Inflation hat zur Folge, dass die Anleger den Kaufkraftverlust ausgleichen möchten und deshalb höhere Renditen fordern. Bei bereits emittierten Anleihen führt die Forderung nach höheren Zinsen zu sinkenden Kursen. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bestimmt maßgeblich die Kurse. Wird eine Lockerung der Geldpolitik erwartet, empfehlen die Experten kurz- bis mittelfristige Anleihen zu kaufen. Der Kurs steigt bei solchen Maßnahmen und dadurch, dass viele andere noch in die Anleihen investieren möchten, erhöht sich der Kurs erneut.

 Anleihegläubiger zählen nicht umsonst zu den smartesten Investoren überhaupt. Banken wie die Baader Bank stellen am Handelsplatz Düsseldorf eigene Market Maker und bringen damit Käufer und Verkäufer zusammen. Die Bank versucht eine möglichst niedrige Spanne zwischen An- und Verkaufspreis sicherzustellen, dafür muss der Auftraggeber auch Gebühren bezahlen.

Wir hoffen Ihnen hat unser Anleihe-Crashkurs gefallen und Sie empfehlen Anleihenpoint.de weiter.

Autor: Martin Brosy