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Was sind Staatsanleihen?

Bei einer Staatsanleihe tritt der Staat als Emittent der Schuldverschreibung auf und finanziert darüber die Kredite seines Haushaltes.  Die Laufzeiten liegen in der Regel zwischen zwei und dreißig Jahren und der Inhaber der Staatsanleihe bekommt üblicherweise jährlich oder halbjährlich seine Zinsen ausgezahlt.

Wie und wo kaufe ich eine Staatsanleihe

Eine Staatsanleihe können Sie über eine Bank oder einer Sparkasse kaufen. An den Börsen können Sie diese dann problemlos wieder verkaufen. Der Börsenhandel macht nur einen geringen Prozentsatz am gehandelten Gesamtvolumen mit Staatsanleihen aus. Das nötige Volumen, welches den Kurs maßgeblich beeinflusst, wird „Over the Counter“, kurz OTC gehandelt. Wenn Sie eine Anleihe erwerben, müssen Sie anteilig die Stückzinsen bezahlen. Ein Jahr hat 365 Tage und nehmen wir an, dass Sie am 364sten Tag eine Staatsanleihe mit einem Kupon von 5 Prozent erwerben. Dem Voreigentümer müssen Sie dann 364*5/365=4,986 Prozent Zinsen bezahlen. Am 365sten Tag würden Sie im Gegenzug die Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten gutgeschrieben bekommen. Wie bei einem Aktiengeschäft fallen bei der Veräußerung von Staatsanleihen die Abgeltungssteuer und der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer an.

Beim Kauf einer Staatsanleihe fallen unterschiedliche Spesen und Gebühren an. Die Bank erhebt eine Provision in Höhe von 0,5 Prozent vom Kus-/Nennwert. Die Depotgebühren bewegen sich in einem Korridor zwischen 0,4 bis 1,8 Promille vom Kurswert. Bei den Maklergebühren kann man 0,075 Prozent vom Kurswert einrechnen. Die hier aufgeführten Beträge sind nur Erfahrungswerte und variieren von Bank zu Bank.

Wie berechne ich die Rendite einer Staatsanleihe?

Auf den Anleihekurs haben viele Faktoren, wie zum Beispiel das Inflationsniveau, das Niveau des Marktzinses und die Bonität des Staates Einfluss. Die Rendite lässt sich wie folgt berechnen: 

Rendite= 100% x (Nominalzins + (Verkaufskurs - Kaufkurs )/Laufzeit)/ Kaufkurs in %

Die zuzahlenden Zinsen orientieren sich am Leitzins der europäischen Zentralbank. Wird der Leitzins angehoben, steigt auch die Rendite der Anleihe an. Eine Leitzinsveränderung findet immer dann statt, wenn die Unternehmen sich mit ihren Investitionen zurückhalten. Die EZB senkt dann den Zinssatz und das ermöglicht es den Banken einfacher an finanzielle Mittel zukommen. Die günstigeren Konditionen werden an den Unternehmen weitergeben. Die Rendite einer Staatsanleihe hängt also unmittelbar mit der wirtschaftlichen Situation zusammen. Die Bonität eines Staates beeinflusst die Rendite ebenfalls. Rating-Agenturen überprüfen die Zahlungsfähigkeit einer Nation und vergeben eine Rating-Note. Die drei größten Ratingagenturen heißen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s. Im Gegensatz zu einem Unternehmen müssen Staaten für das Rating kein Geld bezahlen. Die Aktienmarktvolatilität hat ebenfalls Einfluss auf den Anleihenmarkt. Wenn der Aktienmarkt fällt, suchen viele Anleger ein sicheres Investment, wie zum Beispiel Staatsanleihen. Die Kurse der Anleihen beginnen zu steigen und die Renditen sinken. Bei Unternehmensanleihen verhält es sich anders. Steigende Aktienmärkte suggerieren den Haltern von Bonds, dass es den Unternehmen und der Konjunktur gut geht, folglich steigen die Kurse der Unternehmensanleihen. Die Rendite geht bei diesem Vorgang zurück.

Deutsche Staatsanleihen

Die Bundesrepublik Deutschland gibt sechs verschiedene Wertpapiergattungen aus: BundesanleihenBundesobligationenBundesschatzanweisungen, Bundesschatzbriefe, Finanzierungsschätze des Bundes und unverzinsliche Schatzanweisungen. Der Bund muss seit der Finanzmarktkrise einen relativ geringen Zinssatz auf seine Staatsanleihen bezahlen. Die Investoren vertrauen der deutschen Wirtschaft und legen auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten ihr Geld in Deutschland an.

In diesem Zusammenhang darf die Einführung der Schuldenbremse kritisch diskutiert werden. Gerade wo der Staat günstig an Kapital heran kommt, begrenzt dieser die Aufnahme von neuen Schulden durch eine Schuldenbremse. Damit hindert Deutschland potentielle Investoren daran, ihr Geld sicher anzulegen. Zudem könnten mit dem „billigen“ Geld neu Infrastrukturprogramme, wie die Energiewende gefördert und umgesetzt werden.

Die nächste Lektion im Anleihen-Crashkurs lautet:

Welche Risiken erwarten den Anleger?

Autor: Martin Brosy