Sie befinden sich hier: anleihenpoint.de > Wissen > Anleihen-Crashkurs >  Warum emittieren Unternehmen Anleihen?

Warum emittieren Unternehmen Anleihen?

Für Unternehmen gibt es viele Gründe auf die Anleihe als Finanzierungsform zurückzugreifen. Gegenüber einem Bankenkredit offenbart die Begebung einer Anleihe für das Unternehmen oftmals günstigere Konditionen. Die im Anleiheprospekt festgeschriebenen Bedingungen wie zum Beispiel die Höhe des Anleihevolumens, die Stückelung, den Ausgabe- und Rückzahlungskurs, die Laufzeit und die Zinsmodalitäten sind nicht nachverhandelbar. Der Emittent kann Anleihen zurückkaufen, was bei einem Bankenkredit einer vorläufigen Rückzahlung gleich käme. Unternehmen können aber auch aus der Vergabe von neuen Aktien Erlöse erzielen. Aktionäre genießen auf der Hauptversammlung zum Beispiel ein Stimmenrecht, denn mit jeder gekauften Aktie erwirbt ein Shareholder einen Betrag am Grundkapital. Anleihegläubiger haben keinen direkten Einfluss auf das Unternehmen.

Die Begebung von Anleihen wird von einem Kreditinstitut begleitet. Die Bank platziert die Anleihen an einem organisierten Geld- oder Kapitalmarkt. Im ersten Quartal 2013 führte die Deutsche Bank mit einem abgewickelten Anleihevolumen von 15,479 Milliarden US-Dollar das Feld an. 

Unternehmen nutzen die Finanzierungsform auch um die Gesamtfinanzierung zu diversifizieren. Außerdem müssen die Emittenten bei Begebung der Anleihen keine dingliche Sicherheit oder ein Rating  besitzen. Die Einhaltung bestimmter Bilanzrelationen ist ebenfalls nicht nötig.

Wie Bilanziert ein Unternehmen eine Anleihen-Emission

In unserem Fallbeispiel emittiert die Point-AG zum 01.01.2014 Anleihen im Wert von 200 Millionen Euro. Jede Anleihe hat einen Nominalwert von 1.000 Euro und daraus ergibt sich eine Anzahl von 200.000 Teilschuldverschreibungen. In dem Anleihen-Prospekt sind eine Laufzeit von fünf Jahren und ein jährlicher Zinssatz von 10 Prozent angegeben. Die Rückzahlung erfolgt am 31.12.2018.

Die Point-AG müsste nach Paragraph 266 Absatz 3 C.1. HGB das Anleihen-Volumen in Höhe von 200 Millionen Euro als Verbindlichkeit verbuchen. Zum 31. Dezember des ablaufenden Geschäftsjahres müssen die Zinszahlungen in Höhe von 20 Millionen Euro in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden.

Die Platzierung einer Unternehmensanleihe bedarf einige Monate an Vorbereitung und kostet dem Emittenten Geld. An erster Stelle steht die sogenannte Due Diligence-Prüfung. Dort werden in zwei bis drei Wochen alle relevanten Daten geprüft. Anschließend wird in vier bis sechs Wochen das Prospekt erstellt. Die Genehmigung durch die BaFin dauert erneut acht bis zehn Wochen. Erst jetzt können die Anleihen an Privatinvestoren oder institutionelle Anleger verkauft werden. Dieser Vorgang dauert um die drei Monate. Mittlerweile werden dank der Vereinheitlichung beim Prospekt und der Börsenzulassung sowie gesunkener Transaktionskosten auch Anleihen mit einem Volumen zwischen 50 und 100 Millionen Euro erfolgreich am Markt platziert. Manche Anleihen-Emissionen haben sogar nur ein Volumen von 10 bis 25 Millionen Euro. Früher war es üblich Anleihen mit einem Volumen von 500 Millionen Euro bis eine Milliarde Euro zu emittieren. Institutionelle Anleger sind zum Beispiel Versicherungen und Pensionsfonds.

Die Kosten einer Anleiheemission fallen unterschiedlich hoch aus. Das Prospekt kostet um die 50.000 Euro. Ein Rating ist im gleichen Segment anzusiedeln. Die Due Diligence und der rechtliche Beistand kosten ebenfalls um die 50.000 Euro. Die eigentliche Platzierung wird mit ca. 30.000 Euro veranschlagt. Berater- und Bankenprovisionen berechnen sich nach dem Emissionsvolumen. Die Finanzierung durch Unternehmensanleihen ist also deutlich teurer, als ein Bankkredit. Dafür ist das Unternehmen unabhängig vom Kreditinstitut und nach Platzierung der Anleihen auch bekannter, denn viele Medien berichten über die Emission und stärken somit im besten Fall das operative Geschäft des Unternehmens.

In einigen Fällen kann die Emission von Anleihen sogar dabei helfen Steuern zu sparen. Apple parkte Anfang 2013 102 Milliarden US-Dollar seiner Barreserven im Ausland. Bis 2015 möchte das Management aber an die Aktionäre 100 Milliarden US-Dollar an Dividende ausschütten. Bei der Transferierung der Reserven in die USA müssten diese versteuert werden. Die Steuern wären höher, als die zuzahlenden Zinsen auf die Anleihen. Aus diesem Grund entschied sich der Tech-Riese dazu: Das Geld im Ausland zu belassen und günstig an Geld über die Ausgabe von Anleihen zu kommen.

Die nächste Lektion im Anleihen-Crashkurs lautet:

Warum sind Unternehmensanleihen für den Anleger interessant?

Autor: Martin Brosy