Sie befinden sich hier: anleihenpoint.de > Exklusiv > 

<< zurück
20.11.2014 16:21 Alter: 3 yrs
Autor: Martin Brosy

Der Short-Handel: Trotz geringerem Potential beliebt bei Tradern


Reutlingen (www.anleihenpoint.de): Wie an jedem anderen Markt, werden auch die Kurse an den internationalen Finanzmärkten ausschließlich von Angebot und Nachfrage nach bestimmten Produkten bestimmt. Möchten mehr Menschen z.B. Aktien eines Unternehmens kaufen als verkaufen, so wird der Kurs zwangsläufig steigen, denn logischerweise werden die Verkäufer ihre Papiere nur zu höheren Preisen als noch gestern abgeben. Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Wertpapiere.
 
Viele Wertpapiere stellen selber überhaupt keinen eigenen Wert dar, sondern beziehen sich lediglich auf einen bestimmten Basiswert. Bekannte Beispiele für solche Papiere sind z.B. Derivate, Futures, Optionen oder dergleichen. 
Mit solchen Papieren, die in der Regel über einen eingebauten "Hebel" verfügen, ist es möglich, von den Kursschwankungen des zugrunde liegenden Basiswertes überproportional zu partizipieren. 
Da ein Wertpapier ja aber niemals nur Sprünge nach oben macht, ist es nur logisch, dass es derlei Produkte in beide Richtungen gibt: Es gibt Wetten auf steigende und es gibt Wetten auf fallende Kurse des Basiswertes.
 
An der Börse werden diese zwei Positionen auch als Long und als Short bezeichnet. Long ist dabei jene Position, die von steigenden Kursen ausgeht und Short sind all jene Positionen, die eher von einem Sinken des Kurses ausgehen. Seinen Ursprung haben diese Begrifflichkeiten wohl in der Hoffnung, dass ein Wertpapier langfristig immer steigen wird, daher sind Positionen auf fallende Kurse nur von "kurzer" Dauer. Dass diese Sichtweise jedoch inzwischen nicht mehr aktuell ist, mussten viele Anleger in den letzten Jahren schmerzhaft feststellen.
 
Neben dem Shorthandel über gesonderte Wertpapiere gibt es zudem die Möglichkeit, sich die Aktien von seiner Bank zu leihen und zu verkaufen, in der Hoffnung, diese zu einem späteren Zeitpunkt günstiger wieder zurückkaufen zu können. Die Differenz aus dem aktuell höheren Verkaufskurs und dem dann gültigen, niedrigeren Kaufkurs wäre dann der Gewinn für den Anleger. Diese Möglichkeit steht jedoch nicht jedem Anleger zur Verfügung, da solche Leerverkäufe eine sehr gute Bonität voraussetzen.
 
Gehen viele Anleger Short auf eine Aktie, sinkt diese in aller Regel, da die Börse das Papier in diese Richtung treibt. Kommen dann allerdings positive Meldungen und die Aktie beginnt zu steigen, müssen mehr und mehr Anleger ihre Short-Positionen schließen, da sie sonst massiv Geld verlieren würden. Durch so genannte Stop-Loss-Orders wird dieses Prozedere heute fast ausschließlich automatisch abgewickelt. Die kaufenden Short-Anleger treiben den Aktienkurs jedoch weiter und weiter und es müssen immer mehr Spekulanten ihre Short-Positionen schließen. Dieses Short-Bashing wird auch als Short-Squeeze bezeichnet. Es gibt einige Analyse-Programme, die dem Trader auf Short-Einstiegschancen hinweisen.
 
Grundsätzlich kann man sagen, dass Long und Short Positionen nur etwas für Menschen sind, die sich mit der Börse gut bis sehr gut auskennen. Da diese Produkte nämlich stets gehebelt sind, gibt es bei Optionen, Futures und dergleichen durchaus die Möglichkeit, mehr Geld zu verlieren als man sich zutraut - im schlimmsten Fall sogar alles.
Im Umkehrschluss ist natürlich auch dem Gewinn keine Grenze gesetzt, es ist durchaus möglich, mit den richtigen Positionen 100%, 200% oder auch 1000% Gewinn zu erzielen - immer je nachdem, ob die eigene Wette aufgeht oder eben nicht. 


Über den Autor (*)

Martin Brosy

Martin Brosy
Boersenpoint

Martin Brosy betreibt die Börsenplattform und das Börsenspiel www.boersenpoint.de . Mit dem Beginn seines BWL-Studiums 2009 fing Herr Brosy damit an Aktien und Devisen erfolgreich zu traden.
Als Chefredakteur von Boersenpoint veröffentlicht er täglich seine Gedanken zu interessanten Aktien und komplexen Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

<< zurück